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Neue LIV Golf Tour spaltet die Golfwelt

Phil Mickelson und Dustin Johnson sind als Aushängeschilder mit dabei

09.06.2022 - Die über Jahrzehnte klar gegliederte Welt der Profigolfer gerät gerade mächtig ins Wanken. Die umstrittene neue Tour LIV Golf Invitational Series will den etablierten Veranstaltern Konkurrenz machen. Die von Saudi-Arabien finanzierte Tour startet an diesem Wochenende im noblen Centurion Club im Nordwesten von London und bereitet den Verantwortlichen der PGA-Tour und der DP World Tour (ehemals European Tour) Kopfschmerzen. Es geht um Macht, Prestige, Loyalität und sehr viel Geld. LIV im Namen LIV Golf Tour ist übrigens keine Abkürzung sondern steht für das römische LIV = 54. "54 is the lowest score you could shoot if you were to birdie every hole on a par-72 course, so there is an aspirational aspect to the thinking. It is also the number of holes to be played in each event" (Greg Norman).

Macht, Prestige, Loyalität und sehr viel Geld
Gerüchten zufolge sollen Stars aus den USA und Europa mit teilweise bis zu dreistelligen Millionenbeträgen die Teilnahme an der neuen Tour schmackhaft gemacht worden sein. Einer der prominentesten Umsteiger ist der ehemalige Weltranglistenerste Dustin Johnson aus den USA. Zu Wochenbeginn gab mit Phil Mickelson ein weiterer prominenter US-Golfer seine Teilnahme am ersten LIV Turnier bekannt. Nach Medienberichten soll der sechsfache Major-Gewinner Phil Mickelson ein LIV-Antrittsgeld von 200 Mio. Dollar (186 Mio. Euro) erhalten, sein US-Landsmann Dustin Johnson 125 Mio. Dollar (116 Mio. Euro). Ebenso dabei sind Louis Oosthuizen, Charl Schwartzel und Kevin Na, weitere abtrünnige Kandidaten aus der US PGA Tour sind angeblich Bryson DeChambeau und Patrick Reed (beide sind Major Sieger und Ryder Cupper). In London werden 25 Millionen Dollar (23 Mio. Euro) der auf acht LIV-Events aufgeteilten 255 Mio. Dollar (237,5 Mio. Euro) ausgeschüttet.

Bernd Wiesberger freut sich auf „ganz neue Erfahrung“
Auch einige Ryder-Cup-Helden aus Europa schlagen beim ersten LIV-Event im Centurion Club im Norden Londons ab: Die beiden Engländer Lee Westwood und Ian Poulter sind ebenso dabei wie der Spanier Sergio Garcia, Graeme McDowell (Nordirland) und Österreichs aktuelle Nummer zwei, Bernd Wiesberger. Der Burgenländer freut sich auf „eine ganz neue Erfahrung“. Seine „DP World Tour“-Karte will der 36-Jährige behalten. „Persönlich sehe ich dazu auch keinen Konflikt mit der Teilnahme in London“, so Wiesberger.

Martin Kaymer sieht es ähnlich. „Es ist eine großartige Möglichkeit, eine andere Art von Golfturnieren zu spielen. Das neue Format ist spannend“, sagt der zweifache Major-Sieger aus Deutschland, der derzeit nur die volle Spielberechtigung für die DP World Tour besitzt. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Geld wäre keine Motivation. Das ist doch sehr menschlich.“

"The Shark" Greg Norman ist der LIV Golf Master Mind

"The Shark" Greg Norman
Viele der Topspieler wie Superstar Tiger Woods und der Nordire Rory McIlroy wiesen das lukrative Angebot hingegen zurück und bekannten sich klar zu ihren bisherigen Arbeitgebern. „Woods lehnte einen Deal ab, der unglaublich hoch war. Wir sprechen hier von einem hohen neunstelligen Betrag“, sagte LIV-Geschäftsführer Greg Norman der „Washington Post“. Der Australier – Spitzname „Weißer Hai“ – war in den 80er und 90er Jahren selbst einer der besten Golfer der Welt (zweifacher Sieger der British Open 1986/1993).

Die PGA und die DP World Tour hatten im Vorfeld angedroht, Teilnehmer der LIV-Serie zu sanktionieren. Wie diese Strafen ausfallen könnten, ist aber noch offen. Der Veranstalter der in der kommenden Woche stattfindenden US Open in The Country Club in Brookline, Massachusetts teilte aber bereits mit, dass die Teilnehmer der LIV-Tour auch beim Major-Turnier abschlagen dürfen.

Sportswashing
Die neue Serie steht wegen des Millioneninvestments aus Saudi-Arabien in der Kritik. Hintergrund ist, dass das wegen Menschenrechtsverletzungen kritisierte Land mit lukrativen Sportveranstaltungen versucht, sein Ansehen aufzubessern.
Das Geld kommt aus dem öffentlichen Investmentfonds (PIF), dessen Vorsitzender Saudi-Arabiens faktischer Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman ist. Der PIF hält unter anderem einen Mehrheitsanteil von 80 Prozent am englischen Premier-League-Club Newcastle United. Auch die lukrative Formel 1 dreht bereits ihre Runden in dem Wüstenstaat. Und nun soll eben auch Golf helfen, das Image Saudi-Arabiens aufzupolieren.

Neues Turnierformat
Die LIV-Tour selbst will mit einem anderen Format bei Spielern und Fans punkten. Sieben der acht Turniere werden über drei statt vier Tage gespielt. Es gibt keinen Cut, und alle Spieler starten fast zeitgleich, um die Runden kürzer und für die Zuschauer attraktiver zu machen. Die Abschlussveranstaltung Ende Oktober in Miami (Doral), auf einem Golfplatz des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, ist dann ein reines Team-Turnier, das über vier Tage geht.
Bei den ersten sieben Events wird es neben der Einzel- auch eine Team-Wertung geben. Der Einzel-Wettbewerb in London ist mit 20 Millionen US-Dollar dotiert – der Sieger bekommt vier Millionen US-Dollar, der Letzte noch 120.000. Zum Vergleich: Scottie Scheffler erhielt für seinen Triumph beim Masters in Augusta im April ein Preisgeld von 2,7 Millionen US-Dollar.


Millionenschwere Saudi Golf League lockt mit hohen Antrittsgeldern (24.02.2022)

LIV Golf (Homepage)

Centurion Club (Homepage)


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